Pünktlich zur vierten Ausgabe des Newsletters sind nun auch die verbleibenden sieben Projekte der zweiten KMU-NetC Förderrunde gestartet. Mit 14 innovativen Verbundvorhaben in der ersten Förderrunde und nun insgesamt 16 Verbundvorhaben in der zweiten Förderrunde ist die KMU-NetC Community nun vollzählig.

Neben der Vorstellung der verbleibenden Verbundvorhaben möchten wir diese Ausgabe auch dafür nutzen, Ihnen einen tieferen Einblick in aktuelle Ergebnisse der Begleitforschung zu geben. In den letzten Wochen haben wir im Rahmen mehrerer Gespräche bei Vor-Ort-Besuchen in Hamburg, Freiburg und Karlsruhe detaillierte Fallstudien von den beiden KMU-NetC Verbundvorhaben REALISE und 3D-Bio-Net erarbeitet. Nicht zuletzt erwarten Sie wieder Neuigkeiten aus den aktuellen Verbundvorhaben sowie aus der begleitenden Evaluierung. 

Weitere KMU-NetC-Verbundvorhaben der zweiten Förderrunde im Überblick 

Weitere Verbundprojekte der zweiten Förderrunde beschäftigen sich mit der Entwicklung innovativer Konzepte und Systemlösungen im Bereich Transport und Logistik. 

Das Verbundvorhaben RavE-Bike zielt darauf ab, die Vorteile des Fahrrad-basierten Individualverkehrs mit den für den automotiven Sektor intendierten Rufdiensten zu kombinieren. Auf dieser Basis lassen sich für den betriebsinternen Individualverkehr in flächenmäßig großen Industrieanlagen kostengünstige Transport- und Beförderungskonzepte entwickeln. Voraussetzung dafür ist ein vernetztes System aus intelligenten E-Bikes, stationären Umgebungssensoren sowie einem zentralem Scheduling-Tool, so dass eine sichere und aufeinander abgestimmte, autonome Bewegung der Verkehrsmittel im industriellen Kontext möglich wird. Das Projekt wird durch das Netzwerk „Assistenz in der Logistik“ des Zentrums für Produkt-, Verfahrens- und Prozeßinnovation koordiniert und zusammen mit zwei KMU, einer Universität und einer Forschungseinrichtung durchgeführt. 

Projektpartner: Zentrum für Produkt-, Verfahrens- und Prozeßinnovationen GmbH, Pedalpower Schönstedt & Busack GbR, Thorsis Technologies GmbH, Otto-von-Guericke-Universität, Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

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Im Zentrum des Verbundvorhabens MiRo-Base stehen unbemannte Unterwasserfahrzeuge. Im Projekt soll das Konzept für ein neuartiges Mini-ROV-(Remotely Operated Vehicle)-System ausgearbeitet, prototypisch implementiert und über zwei unterschiedliche Versuchsträger validiert werden. Begleitend zu den Systemkomponenten arbeitet das Konsortium zudem an Entwicklungsmethoden für diese spezielle Klasse cyberphysische Systeme, um eine hohe technologische Qualität bei gleichzeitig hoher Effizienz bei der Entwicklung leisten zu können. Mit MiRo-Base strebt das Konsortium die Positionierung als Anbieter eines kompletten Fahrzeugs „Mini-ROV made in Germany“ im weltweiten Markt der Unterwassertechnik an. Zu diesem Zweck haben sich mehrere KMU sowie wissenschaftliche Partner, unter der Koordination des Netzwerks „Mini-ROV – Kompetenzverbund für mobile Unterwasserinspektionswerkzeuge“ des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD, zusammengeschlossen. 

Projektpartner: Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, EvoLogics GmbH, FORTech GmbH, SubCtech GmbH, IAV GmbH, Lehrstuhl Meerestechnik Universität Rostock, Institut für Automatisierungstechnik (IAT) Universität Rostock

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Mit automatisierten Informationsaustauschprozessen im Bereich Transport und Logistik beschäftigt sich das Verbundvorhaben HANSEBLOC. Im Rahmen des Projektes soll anhand der Anwendungsbereiche Land-, See- und Lufttransport das Innovationspotenzial der Blockchain-Technologie für die Logistik erforscht werden. Es handelt sich dabei um einen noch relativ neuen Ansatz für voll automatisierte Geschäftsbeziehungen mit Garantie der Ausführung, deren Potential nun im Kontext der Logistik untersucht werden soll. Zu diesem Zweck haben sich Mitglieder des Clusters Logistik-Initiative Hamburg e.V. aus den Bereichen Logistikdienstleistung und Informationstechnologie zusammengefunden. Ergänzt wird das Konsortium um zwei wissenschaftliche Partner sowie um neue Partner und Impulsgeber für die Blockchain-Technologie. 

Projektpartner: Logistik-Initiative Hamburg e.V., consider it GmbH Kroop & Co. Transport + Logistik GmbH, Chainstep GmbH, HAW Hamburg, Sovereign Speed GmbH, Emons Multitransport GmbH, HEC GmbH, Itemis AG, SHOT LOGISTICS GmbH, Kühne Logistics University 

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Foto © BioEconomy e.V., Henning Mertens

Unternehmen und Forschungseinrichtungen forschen in aktuellen Verbundvorhaben an Strategien und Technologien im Rahmen von Industrie 4.0, Medizin und Lasertechnik.

In dem Projekt "Mittlerer Infrarot-Laser für die Hochenergie-Klasse" (HECMIR) werden die Kompetenzen im Bereich der Lasertechnik aus zwei deutschen Regionen, dem Raum Berlin und dem Raum Jena, gebündelt, um neuartige, innovative Hochenergie-Laser im infraroten Spektralbereich zu entwickeln. Im Verbundprojekt soll zunächst ein diodengepumpter Festkörperlaser mit einer Wellenlänge von 1,9 µm und hoher Laser-Energie im Joule-Bereich entwickelt und demonstriert werden. Ein solcher Laser hat ein hohes Innovationspotenzial für Anwendungen im medizinischen Bereich und für die Werkstoffbearbeitung, ist jedoch aufgrund mehrerer physikalisch begründeter Herausforderungen bislang nicht kommerziell verfügbar. Im Verbundnetzwerk vereinen sich nun KMU entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Herstellern von Lasermaterialen über Hersteller von Laserdioden bis zu Fertigern von Laserstacks, und Forschungsinstitute mit hoher Expertise, um sich gemeinsam dieser Herausforderungen anzunehmen und ein perspektivisch wirtschaftlich einsetzbares Lasersystem zu erforschen. Das durch OpTecBB koordinierte Projekt soll über die Laufzeit hinaus zu einer überregionalen Vernetzung der Laserkompetenz-Zentren und so zu einer Erweiterung der wirtschaftlichen Basis der beteiligten KMUs führen.

Projektpartner: Optec-Berlin-Brandenburg (OpTecBB) e.V., FriedrichSchillerUniversität Jena Institut für Optik und Quantenelektronik, Lastronics GmbH, CRYSTAL GmbH, Ferdinand-Braun-Institut Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik 

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Im Verbundvorhaben SiRoWo soll unter der Koordinierung der Forschungsvereinigung Programmiersprachen für Fertigungseinrichtungen e.V. untersucht werden, wie die Wettbewerbsfähigkeit von fertigenden KMU durch eine Verknüpfung von Informations- und Produktionstechnik sowie den Aufbau von Produktionsnetzwerken auf technologischer und organisatorischer Ebene langfristig gesichert werden kann. Im Kern steht sowohl die Automatisierung von Bearbeitungsprozessen als auch die Optimierung der Auftragsbearbeitung entlang der Prozesskette am Beispiel der holzverarbeitenden Industrie. So soll z.B. eine flexible Bearbeitungszelle inkl. Industrieroboter und eine werkstattorientierte Programmierumgebung entwickelt werden. Ziel ist es, ein Gesamtsystem zu entwickeln, das die Flexibilität sowie die Wirtschaftlichkeit gerade bei der Bearbeitung kleiner Losgrößen steigern soll. Zu diesem Zweck kooperieren KMU, Großunternehmen und universitäre Einrichtungen miteinander. 

Projektpartner: Forschungsvereinigung Programmiersprachen für Fertigungseinrichtungen e.V., Holz-Design Gigler GmbH & Co. KG, Tischlerei Eigenstetter GmbH, ModuleWorks GmbH, Robotized rm systems GmbH, Eugen Riexinger GmbH & Co. KG, FARO Europe GmbH & Co. KG, EXAPT Systemtechnik GmbH, Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) Universität Stuttgart, Institut für Werkzeugmaschinen (IfW) Universität Stuttgart 
 
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Ziel des Verbundvorhabens ZellTherQC ist die Entwicklung einer adaptierbaren Strategie zur verbesserten Qualitätskontrolle (QC) humaner Zellen, die in zellbasierten Therapien zum Einsatz kommen. Die Strategie beinhaltet nicht nur sogenannte Standard Operating Procedures (SOPs) und Handlungsanweisungen, sondern auch die Entwicklung von Geräten und Diagnostika, die man im Rahmen der Qualitätskontrolle von unterschiedlichen Zelltherapeutika anwenden kann. Das Vorhaben wird gemeinsam von drei KMUs und vier Forschungseinrichtungen umgesetzt und durch das Netzwerk Zellkultur koordiniert. Gemeinsam sollen sie die Möglichkeit haben, den Herausforderungen der individualisierten Medizin zu begegnen und sich hier ein neues wirtschaftliches Standbein aufzubauen bzw. auch die Technologieführerschaft zu sichern. 

Projektpartner: Netzwerk Zellkultur, c/o EurA AG, CLS Cell Lines Service, IBA GmbH, Ibidi GmbH, Fraunhofer IPA, Fraunhofer EMB, Fraunhofer ISIT, Innovent e.V. 

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Ziel des Vorhabens „AntiThromb“ ist die Entwicklung und präklinische Evaluierung eines neuartig beschichteten Gefäßimplantats (Stent) mit einer antithrombogenen Wirkung. Diese Wirkung basiert auf einer neuen Werkstoffbeschichtung des Stents, die sich an der Herstellung biologischer Stoffsynthesen und/oder Prinzipien des biologischen Materialaufbaues orientiert und im besten Falle zu einer aktiven Bildung neuer Gefäßinnenhaut beitragen kann. Derartig beschichtete Stents können einen wichtigen Beitrag zur Behandlung und Vorbeugung des hämorrhagischen Schlaganfalls und anderer neurovaskulärer Erkrankungen liefern. Hierfür werden technische und biologisch wirksame Bestandteile zu sogenannten hybriden Medizinsystemen zusammengeführt, produziert und getestet. Die Neuheit in den hier zu entwickelnden hybriden Medizinsystemen liegt in der antithrombogenen Beschichtung eines hochentwickelten Gefäßimplantates. Das Projekt wird durch den Landescluster NanoMikroWerkstoffePhotonik.NRW koordiniert und von drei KMU sowie drei wissenschaftlichen Partnern durchgeführt. 
 
Projektpartner: NanoMikroWerkstoffePhotonik.NRW c/o NMWP Management GmbH,femtos GmbH, Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften e.V. Dortmund, Lehrstuhl für Werkstofftechnik Ruhr-Universität Bochum, OxProtect GmbH, phenox GmbH, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus, Bochum

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Fallstudien:
Die Erfolgsfaktoren der 
KMU-NetC-Verbundvorhaben "REALISE" und "3D-Bio-Net"

Im Rahmen der begleitenden Evaluierung werden mehrere Fallstudien durchgeführt, die ergänzende Erkenntnisse zu Prozessen und Lösungswegen sowie besonderen Vorgehensweisen in der Verbundarbeit der durch KMU-NetC geförderten Projekte liefern sollen. In Absprache mit dem BMBF wählt das Team der begleitenden Evaluierung beispielhafte Verbundprojekte für die Fallstudien aus.

Daraus sollen im Ergebnis Rückschlüsse auf die Ausgestaltung des Programmdesigns und die Vorhabensbegleitung ermöglicht werden. Im Newsletter möchten wir Ihnen erste Erkenntnisse aus bereits durchgeführten Fallstudien vorstellen. In der vorliegenden Ausgabe stellen wir die Fallstudien zu REALISE und 3D-Bio-Net vor. Hier standen Erkenntnisse über die Konsortialbildung, Projektkoordination und -umsetzung sowie Verwertungsstrategien im Mittelpunkt.

Foto © Realise.aero

REALISE: Traditioneller Maschinenbau trifft High-Tech im Spitzencluster

Unsere erste Fallstudie, in deren Rahmen wir bestimmte Verbundvorhaben sowie Themen im Detail betrachten, beleuchtet Erfolgsfaktoren und Herausforderungen des Verbundvorhabens REALISE in der Konsortialbildung, der Projektkoordination und in der Ergebnisverwertung. 

Mit dem REALISE-Vorhaben strebt ein durch KMU getriebenes Konsortium im Luftfahrtcluster Hamburg Aviation die Überführung eines Technologiekonzeptes für ein bodengebundenes Start- und Landessystem in die Realisierungsphase an. Im Konsortium wirken, koordiniert durch den Hamburger Spitzencluster, wissensintensive FuE-Dienstleister, anspruchsvolle angewandte Forschung und traditioneller Mittelstand miteinander. Die Partner decken gemeinsam einen wesentlichen Teil der im Innovationsprozess benötigten Kompetenzen und Aktivitäten ab. Die in der Entwicklung befindliche Technologie hat dabei das Potential, disruptiv zu wirken und den beteiligten KMU eine Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Die Kernerkenntnisse dieser Fallstudie sind: 

Konsortialbildung

  • KMU setzen Impulse für das Vorhaben: KMU setzen die Impulse zur Initiierung des Innovationsverbundes. Die Entstehung des Konsortiums wurde durch das KMU mb+Partner, welches gemeinsam mit akademischen und industriellen Partnern die technologische Vision entwickelte, getrieben. Weitere KMU, darunter ein mittelständisch geprägtes Unternehmen (Nordwig Werkzeugbau GmbH) und ein Startup (Hanseatic Aviation Solutions GmbH), werden in das Vorhaben und das Cluster eingebunden. Hierbei ist die Rollenverteilung klar definiert: Die Unternehmen kennzeichnet eine Unterteilung nach Konzeption (mb+partner), technologische Umsetzung und Fertigung (Nordwig Werkzeugbau GmbH) sowie Anfertigung, und Versuchsbetrieb von Flugversuchsträgern (HAS). Die universitären Partner ergänzen die Entwicklungskompetenzen in Software (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen), Simulation (Technische Universität Hamburg-Harburg) und Geschäftsmodellplanung (Technische Universität Hamburg-Harbug). 
  • Das Clustermanagement des Hamburg Aviation Office stellt den Rahmen für die Konsortialbildung: Die Geschäftsstelle des Hamburg Aviation Office unterstützte als Koordinator die weitere Konsortialbildung, indem geeignete Mitglieder angesprochen und in das Vorhaben miteinbezogen wurden. Auf diese Weise fungierte das Clustermanagement als Vehikel zur Aktivierung weiterer Mitgliedsunternehmen des Luftfahrtclusters der Metropolregion Hamburg. Das Clustermanagement des Hamburg Aviation Office leistete damit bereits in der Projektentstehung einen wichtigen Beitrag zur Konsortialbildung und dem Aufbau eines überzeugenden Konsortiums.  
  • Verwertungsperspektive stärkt KMU-Beteiligung: Die Fallstudie zeigt, dass zur Einbindung von KMU, insbesondere dem traditionellen Mittelstand, eine erkennbare wirtschaftliche Verwertungsperspektive nach Projektende entscheidend war. 
Projektkoordination und -umsetzung im Innovationsverbund REALISE 
  • Clustermanagement als Mediator und Multiplikator: Als neutrale Instanz kann mit Hilfe des Clustermanagements als Mediator Konsens in Konfliktsituationen herbeigeführt werden. Die betroffenen Kooperationspartner sind gleichberechtigt eingebunden und die Konsensfindung erfolgt ggf. nach dem Mehrheitsprinzip. Die Geschäftsstelle des Clusters, Hamburg Aviation Office, übernimmt darüber hinaus das administrative und das Qualitäts- und Innovationsmanagement im Rahmen des Vorhabens. Zudem zeichnet sich das Clustermanagement für die Gesamtkoordination der Projektaktivitäten in dem Vorhaben verantwortlich und unterstützt bei der Berichterstattung, organisiert Meetings, Veranstaltungen und verbreitet die Projektergebnisse im Rahmen von gezielten Kommunikations- und Marketing-Aktivitäten. Neben einer koordinierenden Rolle der Projektpartner, übernimmt das Clustermanagement im Verbundprojekt REALISE somit auch die Rolle eines Multiplikators. 
     
  • Entwicklungsplattform zur Überwindung von Schnittstellenproblematiken geplant: Eine Herausforderung in dem REALISE-Vorhaben besteht in der Bewältigung von Schnittstellenproblematiken zwischen den Konsortialpartnern. So kommen unterschiedliche und zum Teil nicht kompatible Tools, Methoden und Softwarepakete zum Einsatz. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, wird in dem Vorhaben der Aufbau einer gemeinschaftlichen virtuellen Entwicklungsplattform angestrebt. Diese soll auf die Bedürfnisse von KMU-Verbundprojekten zugeschnitten werden. So sollen Unterschiede in der technischen Ausstattung, aber auch den wissenschaftlich-technischen Kapazitäten, insbesondere zwischen Forschungseinrichtungen sowie innovationsaffinen KMU auf der einen Seite und dem klassischen Mittelstand auf der anderen Seite, überbrückt werden.
Verwertung der Projektergebnisse
  • Agiles Projektmanagement und Marktfeedback stärken Verwertungschancen: Agile Projektstrukturen, kombiniert mit der Einbindung von potenziellen Erstkunden im Konsortium, sollen einen frühen Abgleich zwischen technologischer Entwicklung und Marktanforderungen gewährleisten und das Innovationsrisiko in der späteren Produktentwicklung reduzieren. Bereits in frühen Projektphasen wird so ein wesentlicher Beitrag zur Verwertbarkeit der Forschungsergebnisse geleistet. So erfolgt die Einbindung von potenziellen Erstkunden aus dem Konsortium bereits in der Anforderungsanalyse für die Versuchsanordnung. Ein früher Abgleich zwischen technologischer Entwicklung und Marktanforderungen ermöglicht es, die Unsicherheit und das Innovationsrisiko in der Produktentwicklung zumindest teilweise zu reduzieren. Gleichzeitig werden die Anforderungen der Systemhersteller bzw. Betreiber und der relevanten Zulassungsstellen aus dem Konsortium berücksichtigt. 
     
  • Neutrale Instanz zur Geschäftsmodellplanung: Zur Planung der wirtschaftlichen Verwertung der Forschungsergebnisse des REALISE-Vorhabens ist bereits während der Projektlaufzeit die Entwicklung eines Geschäftsmodells vorgesehen. Diese wird bewusst von einer Universität als neutraler Instanz ausgeführt, um eine objektive Lösung zu ermöglichen.

3D-Bio-Net: Innovations- und forschungsgetriebene KMU, Spin-offs und Forschungs-einrichtungen entwickeln gemeinsam eine 3D-Bioprinting Plattform

Unsere zweite Fallstudie befasst sich mit dem Verbundvorhaben 3D-Bio-Net, in dem sich unter der Koordination des Spitzenclusters microTEC Südwest insgesamt neun Partner an der Entwicklung und Erforschung einer umfassenden Plattform für das 3D-Bio-Printing von künstlichem Gewebe beteiligen.

Foto © BioEconomy e.V., Henning Mertens

Im Vorhaben 3D-Bio-Net beteiligen sich unter der Koordination eines Spitzenclusters insgesamt neun Partner an der Entwicklung und Erforschung einer umfassenden Plattform für das 3D-Bio-Printing von künstlichem Gewebe. Motiviert durch die wissenschaftliche Vorarbeit zweier Forschungseinrichtungen, die auch wesentliche Impulsgeber für 3D-Bio-Net waren, wurden neben einer weiteren Forschungseinrichtung insgesamt sechs Unternehmen für das Vorhaben gewonnen. Vier der Unternehmen sind als Spin-offs aus Universitäten hervorgegangen bzw. befinden sich in der Ausgründung. Somit handelt es sich bei 3D-Bio-Net um einen forschungsstarken Verbund mit einem klaren Anwendungs- und Verwertungsfokus. Neben dem eigentlichen 3D-Bioprinter sowie den erforderlichen Materialien und Prozessen wird die Plattform beispielhaft in den Anwendungsfeldern künstlicher Organersatz und Wirkstoffentwicklung erprobt werden. Zentrale Ergebnisse der Fallstudie sind folgende:

Entstehung des Projektverbunds
  • Die Entstehung des Projektverbundes wurde maßgeblich von (Gründungs-)Mitgliedern des microTEC Südwest Clusters vorangetrieben. Zentraler Impulsgeber für die Projektidee für 3D-Bio-Net war das Freiburger Institut für Mikrosystemtechnik IMTEK, mit dem Ziel, die „Ingenieurssicht“, also die Kompetenzen im Bereich 3D-Bioprinting, mit der „Anwendersicht“ zu verknüpfen.
  • Die neun Partner im 3D-Bio-Net streben mit ihrem Verbundprojekt die Entwicklung und Erforschung einer umfassenden Plattform für das 3D-Bio-Printing von künstlichem Gewebe an. Es wurden zwei Anwendungsfelder identifiziert: Knochen- und Knorpelersatzgewebe, da dieses wenig unterschiedliche Zelltypen benötigt und sich daher für erste Produktionen gut eignet. Das zweite Anwendungsfeld sind sogenannte „Organ-on-Chip“-Modelle, sozusagen miniaturisierte Organ-Modelle an denen die Wechselwirkung von Organen mit Medikamenten getestet werden kann.
Arbeitsteilung
  • Das Verbundprojekt zeichnet sich durch eine klare Aufgabenteilung aus, die organisch aus den jeweiligen Kernkompetenzen gewachsen ist und in der die Zuständigkeiten und Verwertungspläne allen Partnern deutlich sind. Die Aufgabenteilung ist entlang der „Wertschöpfungskette“ der Plattform gegliedert: Auf der Basis gemeinsam definierter Anforderungen an die Plattform werden anhand eines sowohl von hard- als auch software-seitig funktionsfähigen Prototypen des 3D-Bioprinters Materialien, Prozesse, regulatorische Anforderungen und Schnittstellen zum herkömmlichen 3D-Druck untersucht und charakterisiert. Schließlich kommt die Plattform in zwei Anwendungsfeldern zum Tragen: Der Realisierung und Charakterisierung von Knochen- und Knorpelgewebe (Tissue Engineering) und bei der Herstellung von „Organ-on-chip“-Modellen.
Einbindung in die bestehende Innovationsstrategie
  • Für microTEC Südwest als Mikrosystemtechnik-Cluster stellen die Gesundheitslösungen (Smart Health) und Produktionslösungen (Smart Production) wichtige Anwendungsfelder dar. Im Fokus stehen dabei die drei Bereiche Point-of-Care (patientennahe) Diagnostik, intelligente Implantate und intelligente Medizintechnik. Diese Bereiche sind in die aktuellen microTEC Südwest Fachgruppen „In-Vitro-Diagnostik“ und „Intelligente Implantate“ aufgegangen. Eine weitere für 3D-Bio-Net relevante Fachgruppe von microTEC Südwest ist die der „Drucktechnologien“. Das Verbundprojekt 3D-Bio-Net verknüpft den strategischen Gesundheitsbereich mit den Kompetenzen beim funktionalen Druck im Bereich der Mikrosystemtechnik und ist damit von großer strategischer Bedeutung für das Cluster.
Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Lösungswege in der Verbundarbeit
  • Im Hinblick auf die Konsortialbildung
    • wurde von den Gesprächspartnern insbesondere die Rolle von IMTEK als inhaltlicher Treiber hervorgehoben, die als zentral für den bisher erfolgreichen Verlauf des Projekts gesehen wird.
    • Auch die starke Forschungsaffinität insbesondere der KMU sichert eine für das Projekt vorteilhafte, stetige Innovationsaktivität bei den einzelnen Partnern. Der Großteil der beteiligten KMU ist forschungsnah und wie im Falle von BioFluidix und VasQLab sogar Spin-Offs von Forschungseinrichtungen.
    • Die Andockung der maßgeblichen Konsortialpartner an microTEC Südwest ermöglichte es darüber hinaus, zusätzliche Partner mit komplementären Kompetenzen zu identifizieren, um weitere Aspekte der Plattform abzudecken.
       
  • Hinsichtlich der Projektkoordination und -umsetzung
    • würdigen die Gesprächspartner die Möglichkeit im Rahmen von KMU-NetC größere Verbünde mit heterogenen Partnern durchführen zu können.
    • Darüber hinaus ermöglicht die Koordinierungskomponente der Förderinitiative ein zentrales Management durch den Cluster, was von den Gesprächspartnern als sehr hilfreich und ausschlaggebend für die Steuerung eines Verbunds dieser Größenordnung gesehen wird.
    • Die Heterogenität der Kompetenzen, die für die 3D-Bioprinting-Plattform benötigt werden, führt zu einem breiten, interdisziplinärem Spektrum der Konsortialpartner. Dies ist insbesondere für KMU von Relevanz, da von Anbietern für Software-Systemlösungen bis hin zu Experten für klinische Zelltherapie Partner mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen Teil des Verbundprojekts sind.
    • Eine wesentliche Anforderung ist es dabei, in der Übersetzung zwischen den Sprachen nicht zu trivial zu werden aber umgekehrt auch nicht zu kompliziert, um den Grat zwischen Ingenieurswissenschaften bzw. Informatik und Lebenswissenschaften erfolgreich zu überwinden.
    • Insbesondere zeigt sich das große Potenzial für Start-ups, an einem durch KMU-NetC geförderten Verbundprojekt teilzunehmen. Durch die Projektarbeit werden neben der Teilnahme an einem gemeinsamen Entwicklungsprozess mit etablierten Partnern auch wichtige Instrumente des Projektmanagements, wie z.B. Lastenhefte, Prozessoptimierung und Fehleranalyse erlernt.

  • Im Hinblick auf die Verwertung der Projektergebnisse
    • werden zwei konkrete Anwendungsfelder mit potenziellen Verwertungsoptionen bereits im Vorhaben adressiert und die zu entwickelnde 3D-Bioprinting-Plattform somit bereits innerhalb des Vorhabens anwendungsnah getestet und „kalibriert“.
    • Potenzielle Kunden für die aus der 3D-Bioprinting-Plattform resultierenden Anwendungen sind sowohl in der akademischen als auch industriellen Forschung angesiedelt.
    • Es werden sowohl kurzfristige (zum Ende des Verbundprojekts) als auch mittelfristige Verwertungspotenziale entlang der 3D-Bioprinting Wertschöpfungskette gesehen. Letztere vor allem durch Unternehmen die Geräte, Materialien, Verbrauchsmaterialen etc. vertreiben, Forschungsdienstleister, Bio-Tech-Firmen und etablierte Unternehmen aus der Pharma- und Medizintechnik-Branche.
    • Eine gemeinsame Verwertung der vollständigen 3D-Bioprinting-Plattform wird zusätzlich als mögliche Option gesehen.

Neuigkeiten aus den Projekten

Foto @freshindex.org - tsenso / Freepik-Jannoon028

Der erste Meilenstein im KMU-NetC-Verbundvorhaben „Muffel+“, ist erreicht: Ein Entwicklungskonsortium, das sich die Entwicklung einer kompakten und skalierbaren elektrischen Antriebsplattform für Multifunktionsfahrzeuge – kurz „Muffel+“ – zum Ziel gesetzt hat, hat eine erste wesentliche Hürde des Projektes genommen. Die beteiligten vier Unternehmen und drei Forschungseinrichtungen konnten nachweisen, dass die ambitionierten Projektziele zumindest rechnerisch umsetzbar sind. Erfahren Sie mehr hier. 
Eine anschauliche Webseite für das KMU-NetC-Projekt FreshIndex wurde durch das Konsortium veröffentlicht: Hier erfahren Sie alle Informationen zu Projektinhalten, Zielen und Projektpartnern. Im Verbundvorhaben wird eine dynamische, präzisere Alternative zum heutigen Haltbarkeitsdatum erforscht. Ziel ist es, mittels moderner weltweiter Standards und Technologien der Industrie 4.0 einen positiven Beitrag zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung zuliefern. Dazu werden Daten der Lebensmittelproduktion, der Lagerung und des Transports vom Produzenten bis in den Handel und möglicherweise sogar bis in den Kühlschrank der Kunden berücksichtigt. 

Foto @EurA AG

Haben auch Sie Neuigkeiten und Meldungen aus Ihrem Verbundprojekt, die Sie gerne mit den anderen Verbundprojekten teilen möchten? Dann lassen Sie uns diese gerne zukommen und wir nehmen diese in den nächsten KMU-NetC Newsletter mit auf!

Neuigkeiten aus der begleitenden Evaluierung

Für die 16 Verbünde der zweiten Förderrunde von KMU-NetC findet am 12. Juni 2018 ein Erfahrungsaustauschtreffen am Dienstsitz des BMBF in Berlin statt. Bei diesem Kick-off besteht für KMU sowie für die Netzwerk- und Clustermanager die Möglichkeit, sich über Herausforderungen und Lösungsansätze auszutauschen. Der Kick-off für die Verbünde der ersten Förderrunde fand im Oktober 2017 statt.

Foto © oncgnostics GmbH

Foto © oncgnostics GmbH

Am 30. Oktober 2018 wird ein weiteres Erfahrungsaustauschtreffen angeboten, das sich an Teilnehmer beider Förderrunden richten wird. Diesmal wird im Rahmen des Erfahrungsaustauschtreffens mindestens ein thematischer Schwerpunkt betrachtet. Im Gegensatz zu den ersten beiden Erfahrungsaustauschtreffen, deren Fokus auf der Startphase der Verbundvorhaben liegt, werden im Rahmen des dritten und vierten Treffens konkrete Themen der Projektphase aufgreifen. In der kommenden Newsletter-Ausgabe werden wir zur Einsendung von Themenvorschlägen aufrufen.